Martin Rexeis aus Krems bei Voitsberg macht sich am 08.07.2007 auf den Jakobsweg, einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela zum
Grab des Heiligen Apostel Jakob (Jakobus).
Immer mehr Menschen machen sich auf den langen Weg nach Santiago de Compostela
zum legendären Grab des Apostels Jakobus d. Älteren im äußersten Nordwesten
Spaniens.7.Jh.: Durch die lat.-gr. "Apostelkataloge" kommt die Tradition auf, Jakobus der Ältere habe in Spanien
missioniert. Diese Nachricht hat jedoch auf der Iberischen Halbinsel so gut wie keine Aufmerksamkeit erregt.
8.Jh.: Einen Wendepunkt markiert der asturische Abt Beatus von Liébana (+798). In seinem Apokalypsekommentar
greift er die Zuteilung Spaniens an Jakobus aus den Apostelkatalo gen auf. Zeitgeschichtlicher Hintergrund:
Selbstfindungsprozeß des jungen asturischen Reiches; Spannungen mit dem bisherigen Zentrum Toledo; Kampf
gegen die Mauren; Reliquienverehrung. Vor diesem Hintergrund ist die Auffindung des angeblichen
Apostelgrabes im ersten Drittel des 9. Jahrhunderts in Compostela zu sehen und zu werten.
9.Jh.: Compostela ist zunächst ein regionales Wallfahrtszentrum.
951: Der erste namentlich bekannte Pilger ist Bischof Gode schalk von Le Puy. Die Pilgerfahrt ist wegen der
von Normannen und Mauren drohenden Gefahr noch sehr unsicher.
997: Al-Mansur stößt bis Santiago de Compostela vor, danach jedoch beginnt die Blütezeit der Pilgerfahrt.
11.Jh.: Die Omajadenherrschaft bricht zusammen.
12.Jh.: Die Reconquista erzielt gute Erfolge.
Im 11. und 12. Jahrhundert erreicht die Pilgerfahrt ihren ersten Höhepunkt. Santiago de Compostela wird zum
bedeutendsten Fernpilgerzentrum neben Rom und Jerusalem. Schon in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts kommt
es wegen der großen Pilgerströme und der wachsenden Bedeutung zu Rivalitäten mit der römischen Kurie. Vor allem aus Frankreich,
aber auch aus Deutschland, Flandern, England und Italien kommen die Pilger.
Die Pilgerfahrt bindet Europa zusammen und fördert die Idee eines einheitlichen kultu rellen und sakralen Raumes.
1077: In Santiago de Compostela wir eine neue Kathedrale errichtet.
1095: Der Bischofssitz wird endgültig von Iria Flavia nach Santiago de Compostela verlegt.
1120/24: Santiago de Compostela wird zum Erzbistum erhoben.
1139/43: Redaktion des "Liber Sancti Jacobi" bzw. "Codex Calixtinus". Dieser wahrscheinlich von einem französischen
Kleriker verfaßte Pilgerführer bietet viele Informationen und eine Fülle an anschaulichem Material zur Pilgerfahrt.
Ihre Glanzzeit erlebt die Pilgerfahrt in der Zeit vom 12. bis zum 14. Jahrhundert. Erste Krisenzeichen zeigen
sich im 15. Jahrhundert; Humanismus und Reformation haben dann weiter zum Rückgang der Pilgerfahrt beigetragen.
In Spätmittelalter und früher Neuzeit wird die Pilgerfahrt mehr zur Abenteuerund Bildungsreise, die religiöse Komponente tritt zurück.
Anzeichen eines Aufschwungs zeigen sich im 17. Jahrhundert im Kontext des Wiedererstarkens des Katholizismus nach der Tridentinischen Reform.
Ganz aufgehört hatte die Pilgerfahrt nie. Eine einschneidende Zäsur stellt die Französische Revolution dar.
Nach dieser Umwälzung scheinen die Pilgerfahrten fast ganz aufgehört zu haben.
Eine Wiederbelebung erfuhr die Pilgerfahrt durch die "zweite" Auffindung der Reliquien des Apostels Jakobus
im Jahr 1879 und die folgende Bestätigungsbulle Leo XIII von 1884.
Mit dieser zweiten Auffindung hat es folgende Bewandtnis: Die Reliquien des Apostels befanden sich unterhalb der capilla mayor in einer Krypta,
zu der man gewöhnlich nicht hinabstieg. Im Laufe der Zeit wurde sogar ihr Eingang unkenntlich gemacht.
Um 1660 erhielt die capilla mayor eine neue Barockgestaltung. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde sie wegen der Bedrohung durch die Engländer geschlossen.
Mit der Zeit geriet die Stelle, wo die Reliquien des Apostels ruhten, in Vergessenheit; man wußte nur noch um die Überlieferung,
daß sich das Grab in der Krypta befinde. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts forschte man nach und fand bei Grabungen
in der Nacht des 28. Januar 1879 die angeblichen Gebeine des Apostels. Sowohl die Ausgrabungen wie die folgende römische Untersuchung mit
dem Ergebnis der Bestätigungsbulle sind umstritten. Doch verhalfen sie der Pilgerfahrt zu neuem Leben.
In unserem Jahrhundert betonte General Francisco Franco 1937 den Jakobuskult neu, der 25. Juli wurde
Nationalfeiertag und Jakobus galt wieder offiziell als Landespatron, dem die ganze Nation durch eine jährliche
Spende für das Kathedralkapitel ihre Verehrung erweisen sollte. Einen erneuten Aufschwung erlebt die Pilgerfahrt
nach Santiago de Compostela seit einigen Jahren. Im Rahmen des Europagedankens wird die alte Idee der völkerund kulturenverbindenden Fahrt wieder lebendig.